"Von Corona lassen wir uns nicht unterkriegen"

Anfang Januar meldete die WHO über ein Virus, das in China aufgetreten sei. Im Laufe des Monats verbreitete sich das Virus auch nach Europa. Im Februar kamen die ersten Todesfälle in Italien und Frankreich. Im März wurden Landesgrenzen, Schulen und Kitas geschlossen. Viele Menschen arbeiteten in Kurzarbeit und im homeoffice. Lokale, Museen, und andere öffentliche Einrichtungen wurden geschlossen.  Abstand halten, Maske tragen und soziale Kontakte minimieren wurde zum Gebot der Stunde. Innerhalb weniger Wochen befanden wir uns in der größten Krise seit dem zweiten Weltkrieg.  

 

Sportliche Großereignisse wie die Fußball-Europameisterschaft und die olympischen Spiele wurden auf das Jahr 2021 verschoben.

Was im Großen galt, galt auch im Kleinen. Nicht nur Turniere mussten abgesagt werden. Auch Reitställe wurden für alle, die keine eigenen Pferde besitzen, erst einmal geschlossen.  

 

Die negativen Seiten der Corona-Pandemie sind uns allen bewusst. Es gab aber auch abseits der Turniere Geschichten und Ereignisse aus der Reiterwelt, die sich lohnen, erzählt zu werden.

 

Während die meisten Sportarten untersagt waren, der Reitsport war erlaubt. Schließlich mussten die Pferde versorgt und bewegt werden. Viele gingen jetzt mit ihren Vierbeinern ins Gelände und genossen das wunderschöne Frühjahr. 

Für die Familien, die Pferdebesitzer waren, bot sich der Reitstall als ein abwechslungsreicher Aufenthaltsort. Denn Spielplätze durften nicht benutzt werden. Und wo sind die kleinen Mädchen lieber, als bei den Pferden. Da wurde geputzt und gestriegelt, die Mähne gewaschen und die Hufe eingefettet. Auch das Zaumzeug und der Sattel erhielt die nötige Lederpflege, die in der Vergangenheit vielleicht mal zu kurz gekommen ist. 

 

Die Reiterfamilie saß in einem Boot, in einem ruhigen Boot. Denn Tierärzte, Physiotherapeuten, Schmiede, sie alle hatten Arbeit und konnten dieser ohne große Einschränkungen, wie sie andere Berufsgruppen erlebten, nachgehen. Und endlich konnte man dabei sein, wenn sie kamen. Man konnte sich die Zeit besser einteilen – alles war entschleunigt.

 

Auch die Bereiter konnten ihre Berittpferde in Ruhe fortbilden, denn der Unterricht fiel aus. Die Reitlehrer hatten es am Anfang etwas schwerer, denn wo kein Schulunterricht stattfand, war auch schnell das Einkommen nicht mehr sicher.  Aber auch die Schulpferde mussten bewegt werden. Und nach einigen Wochen durften Einzelstunden gegeben werden, was  für Reitlehrer sogar lukrativer war.

 

Die Reitvereine mussten neben den Absagen ihrer Turniere vieles im Reitbetrieb neu regeln: Ställe für die Allgemeinheit schließen, maximale Hallenbelegung festlegen und ein Hygienekonzept erarbeiten. Wichtig war, alternative Wege zu bestreiten.

 

So haben im RuFV Erbenheim mehrere Fortbildungskurse stattgefunden, damit Pferde und Reiter im Training und fit für die Zeit „danach“  blieben. Und da die Auflagen heute andere sind als im Frühjahr, veranstaltet Erbenheim im Oktober noch zwei Turniere. Es geht weiter!

 

Die Reitergruppe erneuerte den Hallenboden im Adamstal – eigentlich um optimale Voraussetzungen für die beiden Hallenturniere zu haben, die abgesagt werden mussten. 

 

So blieb die Freude über die neuen Bodenverhältnisse bei den Reiterinnen und Reiter des  Adamstals, auch der Lehrgang des WRFC mit Jörg Oppermann genoss es und profitierte davon. 

 

Die rapid ansteigende Zahl der Coronainfizierten bereitete dem WRFC Kopfzerbrechen. Ein internationales Turnier auszurichten, zu dem alljährlich 60.000 Zuschauer strömten, war kaum vorstellbar. Wie sollte man bei dieser Unsicherheit entscheiden? Und wir alle wissen, dass der Aufwand, dieses Turnier auszurichten, enorm groß ist. Wir alle kennen die Entscheidung: das Turnier wurde abgesagt. Alles Nähere kann man im Artikel des Wiesbadener Reit- und Fahr- Clubs nachlesen.

 

Auf meine E-Mail mit der Frage, ob der Hufschmid Stefan Wagner auch in diesem Jahr eine Anzeige in der abgespeckten Version des Wiesbadener Reiterlebens schalten würde, erhielt ich nach einer Stunde diese Antwort:

„Aber klar bin ich mit einer Anzeige dabei! Von Corona lassen wir uns nicht unterkriegen!“ Selten habe ich mich über eine solche Zusage so gefreut!  Auch sein Bruder Christoph Wagner wollte sich an der Corona-Ausgabe beteiligen.

 

Ob Spielbank, die Sektkellerei Henkell, die R+V –Versicherung, Dr. Rahn mit dem medical point, der Reitausstatter Centaurus, das Einrichtungshaus COR, Firma Elektroinstallationen Mario Klees, Albert Schäfer mit der Anzeige für Röwer & Rüb, Philipp Lomax und Sascha Koenig haben keine Sekunde gezögert und eine Anzeige zugesagt. An dieser Stelle möchte ich mich bei ihnen ganz herzlich bedanken. Das ist jahrelange Treue, die auch schwierige Zeiten aushält! 

 

Wie haben diese Sponsoren die Krise gemeistert? Die Spielbank war komplett zwei Monate geschlossen, die Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit gehen. Allerdings ist die Arbeit nicht ausgegangen, denn man musste Vorbereitungen für die Zeit danach treffen. 

So wurden an den Spieltischen Plexiglasscheiben angebracht, verschiedene Hygienestationen aufgebaut, eine Fiebermessstation am Einlass geschaffen. Erfreulich für die Betreiber war, dass die Besucher nach dem Lock down wieder zahlreich erschienen sind. 

 

Albert Schäfer, der als Selbständiger für Röwer & Rüb arbeitet, erzählte, dass er anfänglich durchaus Schwierigkeiten hatte, vor allem da er auch nicht zu seinen Kunden ins Ausland durfte. Die Aufträge lagen für diese Kunden auf Halde.

 Die gewonnene Zeit aber, die er nun hatte, nutzte er, indem er die heimische Werkstatt wieder auf Vordermann brachte. Diese Zeit fehlte ihm bislang. Und nach dem die Grenzen wieder geöffnet wurden, konnte er seine Aufträge alle abarbeiten.

 

Sascha Koenig, der uns allen als Tonfachmann bekannt ist und dieses Jahr sein 30. Jubiläum feiert, musste umdenken. Alle Veranstaltungen, die im Frühjahr anstanden, darunter natürlich auch das Wiesbadener Pfingstturnier, bei dem er bereits 25 Jahre dabei ist, wurden abgesagt. Aber wer Sascha Koenig kennt, weiß, dass er nur kurz in ein Loch fällt.

Aufgrund seines großen Netzwerks aus Menschen der Politik, Wirtschaft, Künstlern und Unternehmern, fand er schnell neue  Aufgabengebiete. Ob das Musikproduktionen waren, die er ins Netz stellte oder mit seinem mobilen Fernsehstudio Weinproben in verschiedenen Weingütern aufnahm – er hatte immer eine Idee. Und aus einem Auftrag generierte er den nächsten. An Arbeit mangelt es ihm heute nicht. Kreativität, Mut und Tatkraft wurden belohnt.

 

Die Elektroinstallations GmbH Mario Klees hat die Coronazeit relativ gut überstanden. Sie arbeitet insbesondere für große Unternehmen und Wohnbaufirmen. Da 

konnten die verschiedenen Gewerke sich aus dem Weg gehen und hielten den gebotenen Abstand. Allein Einzelpersonen, insbesondere ältere Menschen, trauten sich zunächst nicht, Handwerker ins Haus zu lassen, es sei denn, es war unbedingt nötig. 

 

Auch wenn milliardenschwere Hilfspakete von Deutschland und der EU geschnürt worden sind, so gab es bei einzelnen Pferdebesitzern, die in Kurzarbeit waren oder ihren Job verloren hatten und in finanzielle Schwierigkeiten gelangten, Sorgen wie sie ihr Pferd weiter unterhalten sollten. Aber auch da zeigte sich der eine oder andere Stallbesitzer großzügig.

 

Am ersten Wochenende im September hat Aachen ein Springturnier ausgerichtet. 

Aachen, das weltberühmteste Mekka der Reiter! Es wurde im Fernsehen übertragen. Die Reiter und die 300 Zuschauer, die pro Tag zugelassen wurden, trugen artig ihre Masken.

 

Bei allen Interviews erklärten die hochkarätigen Reiter, dass sie sich freuten, hier beim 3*** Turnier mitreiten zu dürfen. Vielleicht erleben wir zukünftig eine andere Turnierlandschaft, mit weniger Preisgeld, mit weniger Reisen aber mit dem gleichen Ansporn sein Geld zu verdienen und sein und das der Pferde Können zu beweisen. 

 

Wie geht es nun weiter? Ob Reitergruppe, RuFV Erbenheim, RuFV Kloppenheim oder der WRFC, alle haben ihre Termine für das kommende Jahr beim Kreisreiterbund eingereicht. Alle blicken nach vorne!

 

 

 

 

 

Ein Text! Sie können ihn mit Inhalt füllen, verschieben, kopieren oder löschen.

 

 

Unterhalten Sie Ihren Besucher! Machen Sie es einfach interessant und originell. Bringen Sie die Dinge auf den Punkt und seien Sie spannend.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Friedericke Stritter-Arnds